offmozart Festival der freien Szene |
11. Komponistenforum Mittersill

Thomas
Künne
Don Giovanni/Introduzione
ein Projekt von Wolfgang Seierl
Uraufführung am 15. September 2006, 19.30 Uhr
Sparkassenkeller im Wallmannhaus, Zeller Straße 14,
Mittersill
Wolfgang Seierl und Ferdinand Schmatz: Don Giovanni/Introduzione
Die ersten beiden Szenen des Don Giovanni – neu entdeckt;
uraufgeführt im Rahmen des 11. Komponistenforums Mittersill.
www.kofomi.com
Weitere Vorstellungen: 20. 9. - 22. 9., 20 Uhr: ARGEkultur Salzburg
In der Einleitungsszene von Mozarts Don Giovanni sind die
wesentlichen Momente des Singspiels vorweggenommen: Don Giovanni als
Verführer Donna Annas, der Tod des Komturs, der gestresste
Leporello. In der Textneufassung von Ferdinand Schmatz und der
kompositorischen Adaption durch Wolfgang Seierl wird diese Szene neu
beleuchtet und zum Ausgangspunkt eines aktuellen Dramas. So entsteht in
der Bearbeitung der ersten Szene ein in sich geschlossenes
Collage-Fragment, ein musikalisches Experiment, das nach einer neuen,
radikalen und zeitgemäßen Form der Oper sucht.
Die Besetzung:
Thomas Künne (Gesang)
Victorine Müller
(Installation/ Performance)
Antonia Seierl (Violoncello)
Wolfgang Seierl (Gesamtkonzept,
Adaption, Komposition, Elektronik/Live-Elektronik)
Reservierungen unter einklang@atnet.at oder 0664 5969091
Karten in der Mozart2006 Info-Lounge in Salzburg oder an den
Abendkassen (€8/10/12)
„Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen
könnt. Wir lesen und schreiben nicht mehr in der
herkömmlichen Weise. Es gibt keinen Tod des Buches, sondern eine
neue Art des Lesens... Ein Buch muss mit etwas Anderem eine Maschine
bilden, es muss ein kleines Werkzeug für ein Außen sein.
Keine Repräsentation der Welt, auch keine Welt als
Bedeutungsstruktur. Das Buch ist kein Wurzel-Baum, sondern Teil eines
Rhizoms, Plateau eines Rhizoms für den Leser, zu dem es passt. Die
Kombinationen, Permutationen und Gebrauchsweisen sind dem Buch nie
immanent, sondern hängen von seinen Verbindungen mit diesem oder
jenem Außen ab. Jawohl, nehmt was ihr wollt!“ Gilles
Deleuze/Felix Guattari, Rhizome. Introduction, Paris 1976
Dass gerade das Don Juan-Thema im Mozart-Jahr Hochsaison hat, ist kein
Zufall. In Zeiten allgegenwärtiger Werbung boomt der Begriff der
Verführung,- dahinter versteckt sich die quälende Einsicht,
dass die Frage, was die Liebe sei, unbeantwortet bleiben muss.
In den beiden Eckpfeilern der Opernliteratur, Mozarts „Don Giovanni“
und Bizets Carmen, steht diese Frage im Zentrum. Deswegen soll in
diesem Versuch einer Neuinterpretation der „Introduzione“ des Don
Giovanni die Carmen nicht fehlen. Diese Frage, die in der nach dem
Verhältnis von Mann und Frau mündet, betrifft heute mehr denn
je die Liebesfähigkeit als Produktionsstätte unserer
Wünsche.
Das Projekt „Don Giovanni/Introduzione“ repräsentiert den
Versuch, diese „neue Art des Lesens“ (Deleuze/Guattari) in den
Umgang mit musikalischen Denkmälern zu praktizieren. DGI ist das
genaue Gegenteil zum Gewaltakt der Aufführung aller Mozartopern im
Mozartjahr. Hier geht es nur um den Bruchteil eines einzigen Werkes,
reduziert auf die Ausführung durch einen Sänger...Die
Textneufassung durch Ferdinand Schmatz sowie die Hinzufügung von
neu komponierten Textpassagen aus der göttlichen Komödie von
Dante geben ungewöhnliches Licht auf die erste Nummer dieses
Singspiels.
Das eingeflochtene Carmen-Zitat ist ein weiteres Element dieses
Spiels,- und siehe da, die Carmen bildet mit dem Don Giovanni eine
Maschine.
Wolfgang Seierl
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